Die Textversion aus
„Der Bund“ – Die Zeitungsausgabe vom 2. Mai 2026
«Lustrinelli weiss, wie er seine Spieler anpacken muss»
Die Mentalität des FC Thun
Kishore Hirt arbeitet als Mentaltrainer und Hypnosetherapeut mit dem FC Thun zusammen.
Seit der FC Thun wieder in der Super League mitmischt, hört er nicht auf, zu überraschen. Nach einem gelungenen Start und kontinuierlicher Punkteausbeute wurde der Fussballwelt zunehmend klar, dass der Erfolg des Aufsteigers kein Zufall ist. Sondern eine Sensation. Nun neigt sich diese aussergewöhnliche Saison langsam dem Ende zu – und die Frage nach den Ursachen des Thuner Höhenflugs rückt in den Fokus.
Für den ausgebildeten Mentaltrainer und Hypnosetherapeuten Kishore Hirt ist die Antwort klar: Das hat der FC Thun auch seiner unglaublichen Mentalität zu verdanken.
Der FC Thun setzt stark auf mentale Förderung
Der 37-jährige Bernerwar vor einigen Jahren als Fussballtrainer bei YB und Thun in der Jugendabteilung tätig. Dabei stellte er fest, dass es in diesen heiklen Jahren oft an gezielter mentaler Unterstützung fehlt. Also sattelte er kurzerhand um.
Kishore Hirt gehört zum Team der Sportpsychologen bei «Mentau Parat». Er betreut auch Sportler anderer Sportarten.
Vor einigen Jahren lancierte der FC Thun dann eine Initiative. «Mentau Parat» nennt sich das Programm, das die mentale Stärke und Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen fördern soll.Von der U15 bis zur U21 profitieren die Talente davon, seit diesem März auch das Frauen-
team. Neben Hirt sind die SportpsychologenAndrea Jenzer-Berger und Christian Finger Teil der Ansprechpersonen, geleitet wird alles von Marc Blaser, der beim Nachwuchs engagiert ist.
Der ständig steigende Leistungsdruck wird dabei schon früh zum zentralen Thema. «Die Scouts von grösseren Vereinen gehen heute schon in den U15- Abteilungen auf die Suche», sagt Hirt. Und das bleibt nicht ohne Einfluss,wenn plötzlich Bundesliga-Vertreter beim Training vorbeischauen. Umso wichtiger sei es, früh bereit zu sein. Die Schule, über-
engagierte Eltern, der Kontakt mit Alkohol oder die Freundin:
Die Jugendlichen können mit den Mentaltrainern über alles reden. Emotionsregulation, Hyp-
nose, andere Zielsetzungen was funktioniert, ist individuell.
«Aber ich bin kein Wunderheiler. Diese Prozesse funktionieren nicht von heute auf morgen.»
Werden die Talente jedoch schon früh in die richtige Richtung geleitet, kann das so herauskommen wie beim Tabellenführer aus Thun.
Nur die Bayern holten nach Rückständen mehr Punkte
Denn die Berner Oberländer, die gerne auf ihre eigene Jugend setzen, machen gerade beste Werbung für ihre Förderung im mentalen Bereich. Um nur eine der zahlreichen Statistiken zu nennen: Der FC Thun punktet dann, wenn es eigentlich am schwersten sein sollte – wenn er zurückliegt.
Mit ihren bislang 22 Punkten nach Rückständen ist im europäischen Vergleich einzig Bay-
ern München (28) noch besser als die Berner Oberländer. Und dass Thun in dieser Kategorie besonders heraussticht, hat das Team – wie auch die bissige Mentalität – seinem Cheftrainer zu verdanken.
«Mauro Lustrinelli weiss,wie er seine Spieler anpacken muss», sagt Hirt. «Die Handschrift von ihm und seinem Stab zeigt sich überall beiThun – nicht nur beim Spielstil.» Der Mentaltrainer beschreibt,wie die Berner Oberländer ihre Ambitionen etappenweise in Angriff nehmen, sich realistische Ziele setzen – und diese dann auch erreichen.
Denn: «Lustrinelli strebt nicht nur den Sieg an, sondern die Entwicklung jedes einzelnen Spielers.»
Das deutlichste Beispiel dafür liefert wohl YB-Leihgabe Kastriot Imeri, der im Sommer zuThun stiess.Den grossen Erwartungen als Top-Transfer wurde er in der Hauptstadt nicht gerecht, nach Rückschlägen durch Verletzungen verpasste er den Anschluss im Team. Logisch, sinkt da das Selbstvertrauen. Seit seinem Zuzug nach Thun erlebte der «Flop», der genau wie Brighton Labeau ebenfalls zu Hirt in die Hypnosetherapie ging, nun einen «zweiten Frühling». In der letzten YB-Saison kam Imeri in 23 Einsätzen gerade einmal auf vier Torbeteiligungen. Aktuell steht er bereits bei deren 13 – und ist damit massgeblich am
Erfolg beteiligt. Alles, was jetzt noch fehlt, ist der Schlussspurt. Und vielleicht gelingt der Titel ja ausgerechnet am Samstag gegen den Noch-
Meister aus Basel. Symbolisch wäre genauso das Datum, am 2. Mai letztes Jahr wurde der Aufstieg in die Super League zur Tatsache. Und eine schier unglaubliche Geschichte nahm ihren Lauf.
Ob der FC Thun auch bereit für das ist, was als Nächstes kommt?
Nicolas Kaiser
Das ganze Interview mit Kastriot Imeri
„Die Hypnose hat mir ermöglicht, die Saison zu spielen, die ich dieses Jahr gespielt habe“ – Kastriot Imeri vom FC Thun hat mit dem Schweizermeistertitel 2026 historisches erreicht.
Guten Tag.
Hallo.
Kannst du dich kurz vorstellen? Du hattest im Dezember eine Hypnosesitzung. Was ist da passiert? Wie war es für dich? Und welche Erfolge hast du damit erzielt?
Wie war es während der Hypnose für dich? Wie bitte? Wie war es für dich während der Hypnose?
Es war super. Es war einfach super. Ich hatte schon davon gehört und als ich in der Hypnose war, war ich wie auf einer kleinen Wolke. Ich habe schwierige Momente
meines Lebens noch einmal durchlebt, die, so glaube ich, das zum Vorschein gebracht haben, was tief in mir steckte. Und das war ein magischer Moment. Man spürt die Dinge, man sieht die Dinge anders, die verschiedenen Perspektiven des Lebens, welche die man erlebt hat solche, die in Zukunft kommen werden. Und ehrlich gesagt, es war unglaublich.
Glaubst du, dass es dir sehr geholfen hat? Du hast etwas vom zweiten Atem erzählt, oder so ähnlich, nicht wahr?
Ja, es ist tatsächlich so, nach dem Besuch einer Hypnosesitzung fühlt es sich an, als würde man einen zweiten Atem erhalten (neue Energie schöpfen), Ja, natürlich hat es mir enorm geholfen. Ich glaube, es hat sich stark auf mein Fussballjahr beim FC Thun ausgewirkt.
Herzlichen Dank an dich.
Gern geschehen, danke dir.




